Monthly Archives: Januar 2015

Unverfängliches aus Griechenland

Eine köstliche Salatvariation, die sogar als Hauptgang dienen kann. Bravourös bewährt hat sie sich einmalig in der Kombination mit der wahrscheinlich sogar untenstehenden Untergrundgemüse-Pfanne (Direktlink). Wie bei allen Salate ist dieses Rezept vielfältig als Gang, Beilage oder Einzelgericht einsetzbar.

Lasst es Euch gut schmecken und zugleich eine gute Nacht, Euer Satorius

 

Griechischer-Gemüse-Garten

Metadaten des Gerichts 

Kochniveau: 2/10  Dauer: ca. 30 Minuten  Art: Hauptgang, Beilage  Kosten: Mittel

Rezept zum Ausdrucken: Griechischer-Gemüse-Garten (PDF)

Zutatenliste – Salat

  • 400g Feldsalat (alternativ Salat nach Wahl, aber besser kräftig im Geschmack)
  • 50g Ziegenkäse aka Feta (Auch hier im Idealfall aus echter Ziegenmilch)
  • 1 mittelgroße Zwiebel (Meine Favoriten sind hier noch immer die roten, aber die Wahl der Zwiebel bleibt weiterhin jedem Koch überlassen)
  • 50g Walnüsse
  • 50g Oliven (Schwarz oder grün stehen hier zur Wahl)
  • 50g Tomaten (Bei mir meistens Dattel- oder Cocktailtomaten, da sie zuverlässig geschmacksintensiver sind)
  • 50g Gurke (Beim nächsten Mal werde ich hier Gewürzgurken ausprobieren)

Zutatenliste – Sauce

  • 300g Joghurt
  • 50g Ziegenfrischkäse (Bestenfalls wirklich aus Ziegenmilch)
  • 2 EL Kräuteressig
  • 2 EL Walnussöl (Alternativ einen aromatischen Ersatz, zur Not ein gutes Olivenöl)
  • 1 Prise schwarzer Pfeffer (Am besten frisch gemahlen)
  • 1 Prise Salz (Ich schwöre auch bei Salaten auf die Fleur de Sel die nicht ganz billige aber kulinarisch sehr lohnenswerte Salzblume)
  • 3 TL Zucker
  • 2 Spritzer Zitronensaft

Praxis-Anleitung

  1. Zu Beginn den Salat sowie das Gemüse waschen, putzen und zu trocknen beiseite stellen. Nun die Zwiebel schälen und würfeln; die Gurke in Scheiben und die Tomaten sowie die Oliven je nach Sorten in mundrechte Happen filetieren.  
  2. Zur Herstellung der Sauce einfach alle ihre Zutaten in beliebiger Reihenfolge in ein passendes Gefäß geben und gut verrühren.
  3. Die Walnüsse kurz in einer Pfanne ohne Fett anrösten.
  4. Den abgetropften Salat zusammen mit dem Gemüse portionieren, anrichten und mit Sauce garnieren. Zuletzt die Walnüsse zerbröselt drüberstreuen.

Quadratisch-praktisch gut

Ein neues Rezept für den schnellen Hunger im stressigen Alltag; gesund und vegetarisch, dabei als Einzelgericht, Beilage oder mit einem Salat kombiniert tauglich. Eine Vielfalt an unterirdischem Wurzelgemüse sorgt hoffentlich für ein überirdisches Geschmackserlebnis.

Untergrundgemüse-Pfanne

Metadaten des Gerichts

Kochniveau: 4/10  Dauer: ca. 35 Minuten  Art: Hauptgang, Beilage  Kosten: Günstig

Rezept zum Ausdrucken: Untergrundgemüse-Pfanne (PDF)

Zutatenliste

  • 500g festkochende Kartoffeln
  • 200g Karotten (Ein semantischer Dauerbrenner, der gerne für Diskussionen sorgt: Mohrrübe, Karotte, Möhre – was denn nun?)
  • 100g Pastinaken (Kann mit Petersilienwurzel ersetzt werden und umgekehrt)
  • 100g Petersilienwurzel (Kann mit Pastinake ersetzt werden und umgekehrt)
  • 1 große Zwiebel  (Meine Favoriten sind hier die roten, aber die Wahl der Zwiebel bleibt jedem Koch überlassen)
  • 20g Kräuterbutter
  • 3 EL Keimöl (Hier kann alternative jedes milde, charakterlose Öl zum Einsatz kommen; verfügbarster Ersatz dürfte Sonnenblumenöl sein)
  • 2 TL süßes Paprikapulver 
  • 2 TL schwarzer Pfeffer (Am besten frisch gemahlen)
  • 1 Prise Salz (Ich schwöre bei solch aromatisch fokussierten Gerichten auf die Fleur de Sel die nicht ganz billige aber kulinarisch sehr lohnenswerte Salzblume)
  • 3 EL Sojasauce (Alternativ Gemüsebrühe) 

Praxis-Anleitung

  1. Zuerst das Gemüse zur Vorbereitung waschen, schälen und putzen. Daraufhin die 4 Hauptgemüse quadratisch auf 1×1 cm Würfel zuschneiden; Zwiebel hingegen nur in grobe Streifen schneiden.
  2. In einer möglichst großen Bratpfanne das Öl scharf erhitzen und darin zuerst die Kartoffeln ca. 5 Minuten alleine kross anbraten. Daraufhin Möhren, Pastinaken und Petersilienwurzel hinzugeben und mit braten, die Hitze langsam auf mittel Temperaturen verringern, damit nichts anbrennt.
  3. Sobald das Öl verbraten wurde die Kräuterbutter einschmelzen und anschließend die Zwiebeln hinzugeben.
  4. Weiter 10 Minuten schmoren bis alle Gemüse gar sind, dabei immer wieder mit der Sojasauce ablöschen, damit währenddessen nichts verbrennt. (Der Weg zur Perfektion dieses Gerichtes ist die doppelte Gratwanderung zwischen den berühmt berüchtigten Röstaromen/verbrannt und kross/matschig; der Hausmannsköstler kennt diese kleine Herausforderung von den guten alten Bratkartoffeln hinlänglich.)
  5. Zuletzt mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver abschmecken und servieren.

Viel Genuss beim Nachkochen, Euer Satorius 

Der Preis der Tiefe

„Müssen Sie stets so paradox reden, guter Mann?“

 

„Das ist kein Oxymoron. Jene, die ein glückliches Leben führen, können nach den Dingen fragen, die unter der Oberfläche liegen. Wir aber, die wissen, was sich unter der Oberfläche verbirgt, wollen jede Illusion so lange wie möglich genießen. Die Farbe einer vollkommenen englischen Rose ist in meinem Kopf und nicht in der Blume, aber ich ergötze mich lieber an der Farbe als mir solche dummen Gedanken zu machen. Überlassen wir die Philosophie den Unschuldigen. Wir Veteranen des Abgrunds ziehen die Rosen, den Sonnenuntergang und schöne, nichtssagende Musik vor.“

 

„Bei Gott. Mann, Sie wissen ja selbst nicht, ob Sie ein sentimentaler Zyniker oder ein zynischer Gefühlsmensch sind.

 

„Ich bin überzeugt, daß [sic!] es gefährlich ist, auf die Tiefe zu vertrauen, egal ob auf See oder an Land. Tiefgründige Menschen, tiefe Emotionen, tiefer Glauben, abgründige Gedanken und tückischer Treibsand — das alles ist gefährlich. Mir ist das Oberflächliche und Fröhliche lieber. Die Diebe und Strolche in der Regierung, die ich zuvor erwähnte, sind nur ein kleines Ärgernis, ein ehrlicher Politiker aber kann eine internationale Katastrophe auslösen.“

 

Robert Anton Wilson (1932 – 2007), Die Illuminaten-Chroniken Band 3 – Der Schöpfer: S. 37 (1992)


Dieses nächste, sporadisch daherkommende Text-Fast-Food entstammt einem dreibändigen Werk, das ich zufällig auch schon gelesen habe und definitiv als Fiktionales Kleinod zur Lektüre anempfehlen kann. Wenn man es insgesamt mit Wilsons Werk nicht allzu ernst nimmt, dann erhält der Leser darin viele ernstlich erwägenswerte Gedanken und vielleicht sogar die eine oder andere Weisheit zum Denkangebot. Voller Ironie und Humor, reich an Bezügen und mit polemischem Witz geschrieben werden tiefe Themen zumeist unterschwellig, teils auch ziemlich offensiv zur Sprache gebracht.

Getragen von einem sorglosen Idealismus und anarchisch frei von missionierender Sophistik wird die Gefahr heilig-missionarischen Eifers erfolgreich vermieden. Denn auf die tiefen Fragen und die abgründigen Spekulationen, die er vielstimmig und variantenreich inszeniert antworten lässt, könnte man durchaus mit philosophischer Passion und leidenschaftlichem Ernst reagieren. Ein Paradebeispiel spielerischen Umgangs mit Fragen großer Tiefe. Folgte man diesen quer durch sein vieltausendseitiges Lebenswerk, so ginge man auf verschlungenen, alles anderen als akademischen Pfaden wohl einmal eklektischen Schrittes den Themenkreis der philosophischen Tradition ab. Die meisterliche Verschränkung von Fiktion und Wissen, Wahrheit und Wahn letztlich immer auch von Ethik und Ästhetik gipfelt in einer im besten Sinne postmodernen und davon unabhängig in großer Literatur. Es drängen sich mir gerade Assoziationen an Jaques Derridas Idee der Dekonstruktion von Text und Welt auf, die ich Euch hier aus Rücksicht auf Interesse und Gemüt erspare.

Weitere lesenswerte Bücher dieses genial-komischen Barden tragen klangvolle Titel wie Illuminatius!, Cosmic TriggerDie neue Inquisition und Schrödingers Katze. Meine Auslassung von weiteren Schriften und der Hang zum Schreiben von Trilogien multiplizieren hierbei das Lesevergnügen nochmals.

Obacht also vor den Tiefen und viel Freude mit guter Illusion, Euer Satorius

Und wie haltet ihr es mit dem Unendlichen?

Ich weiß nicht, wer mich in die Welt gesetzt hat, und auch nicht, was die Welt und ich selbst sind; ich bin schrecklich unwissend in allen Dingen; ich weiß nicht, was mein Körper, meine Sinne, meine Seele und selbst jener Teil meines Ichs sind, der denkt, was ich sage, der über alles und über sich selbst Betrachtungen anstellt und sich nicht mehr als das übrige erkennt.

 

Ich sehe diese entsetzlichen Weiten des Weltalls, die mich einschließen, und ich finde mich an einen Winkel dieses gewaltigen Raums gefesselt, ohne daß [sic!] ich weiß, warum ich an diesen Ort und nicht vielmehr an einen anderen gestellt bin und warum diese kurze Frist, die mir zu leben gegeben ist, mir gerade zu diesem Zeitpunkt und nicht vielmehr zu einem anderen der ganzen Ewigkeit, die mir vorausgegangen, und der ganzen Ewigkeit, die auf mich folgt, bestimmt ist. Ich sehe überall nur Unendlichkeiten, die mich wie eine Atom und wie einen Schatten einschließen, der nur einen unwiederbringlichen Augenblick lang dauert.

 

Blaise Pascal (1623 – 1662), Gedanken. Über die Religion und einige andere Themen: Fragment 681 (Anhang; 1669)


Ungewohnt sensible, fast rechtfertigende Töne von unserem subversiven Unruhestifter. Trotz aller Mutlosigkeit und Verzweiflung, die in diesem wortreichen Text-Fast-Food mitschwingen, dennoch eine irgendwie tröstliche, eröffnende Perspektive. Im ungetrübten Blick ins Antlitz metaphysisch-physischer Unwissenheit und Bedeutungslosigkeit liegt nämlich auch ein kraftvoller Quell von tiefer Gelassenheit und kreativer Selbstbehauptung verborgen.

Wo nichts sicher, überhaupt nichts absolut bestimmt ist, da kann ich wählen und durchaus auch mal wählen lassen – je nach Temperament und Situation aktiv oder passiv, demütig oder mächtig. Womit wenigstens ein paar kleine semantische Bojen im Ozean der Existenz verankert und damit ein Halt im Angesicht des Unendlichen angeboten werden soll.

Da ich mächtig müde bin, ergebe ich mich nun aktiv und in Demut der Passivität des Schlafes, Euer Satorius

#SD1&2@Das doppelte Dalí-Delirium

Salvador Dalí (1904 – 1989), Die Metamorphose des Narziss (1937; London: Tate Gallery)

Dada düngt derzeit da, 

da Dalis Dasein deliziös dekantiert daherkommt. 

Denn derweil Dali das Denken derangiert,

deflagrieren die dollsten Deutungen.

Salvador Dalí (1904 – 1989), Die Auflösung der Beständigkeit der Erinnerung (um 1952 – 1954; New York: MoMA)

Deprimiert das den dahergelaufenen Deutungs-Debütant,

dann darf dieser dennoch das Doppelpack dekonstruieren.

Dada deduziert digitales Delirium,

deshalb den derben Denk-Durchfall desinfiziert deponieren.

Dekonstruktive Spukgeschichte

Wenn ich mich anschicken, des langen und breiten von Gespenstern zu sprechen, von Erbschaft und Generationen, von Generationen von Gespenstern, das heißt von gewissen anderen, die nicht gegenwärtig sind, nicht gegenwärtig lebend, weder für uns, noch außer uns, dann geschieht das im Namen der Gerechtigkeit. Der Gerechtigkeit dort, wo sie noch nicht ist, noch nicht da, dort, wo sie nicht mehr ist, das heißt da, wo sie nicht mehr gegenwärtig ist, und da, wo sie, ebensowenig wie das Gesetz, niemals reduzierbar sein wird aufs Recht.

 

Jacques Derrida (1930 – 2004), Marx‘ Gespenster – Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale: S. 10f. (Auftakt; Hervorhebungen entsprechen dem Original; 1996)


Einer der Gründe – welch sibyllinische Synchronizität -, wegen denen ich kaum zum Ausbau dieser Seite komme, liefert hier das Material für ein weiteres eindrucksvolles Exempel der Gattung Text-Fast-Food. Denn just zitiertes Werk steht ganz oben im Literaturverzeichnis einer Arbeit, die ich im Rahmen meines Fernstudiums während der Reise verfasse. Allerdings verfolgen mich besagte Gespenster dank hunderten Seiten solcher und noch verfemterer Beschwörungsformeln seit geraumer Zeit – sogar bis in die Tiefen der Nacht!

Möge die Eure ruhig und friedlich verstreichen, Satorius der Ghostbuster        

Fortschrittliche Affen

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.

 

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

 

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

 

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

 

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.

 

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

 

Erich Kästner (1899 – 1974), Die Entwicklung der Menschheit (1932)


Ein neues Jahr, das für Euch hoffentlich wunschgemäß gut verlaufen wird, bietet mir leider weiterhin wenig Gelegenheit, für Quanzland zu texten. In diesem Sinne liefere ich bloß wieder schnödes Text-Fast-Food. Immerhin bleibt der anonyme Unruhestifter, dem wir dieses weitere Exemplar verdanken, fast so umtriebig wie zuvor; nun sogar mit leicht bekömmlicher Lyrik.

Mit reu– sowie demütigem Gruß, Euer Satorius